Über die Rolle des Lehrers

Welche Bedeutung hat die okkulte Entwicklung des Menschen für seine Hüllen (physischen Leib, Ätherleib, Astralleib) und sein Selbst ?

GA 145, Seiten 128-130

Wenn der Mensch also seinen Astralleib von den übrigen Gliedern der Menschennatur emanzipiert hat, so haben auf ihn leicht die Impulse, die Kräfte Einfluß, die wiederum mit Hilfe von Astralleibern gewonnen sind. Und hier liegt auch die Möglichkeit, daß eine Persönlichkeit, die zur freien Benutzung ihres Astralleibes gekommen ist, wenn sie stärker ist als eine andere, die auch in gewisser Weise ihren Astralleib emanzipieren kann, daß die erste Persönlichkeit auf die zweite einen ungeheuren Einfluß gewinnen kann. Es ist dann förmlich wie ein Übertragen der Kräfte des einen Astralleibes der stärkeren Persönlichkeit auf den der schwächeren Persönlichkeit. Und wenn man dann hellseherisch die schwächere Persönlichkeit betrachtet, so trägt sie in ihrem Astralleibe eigentlich ganz die Bilder und
Imaginationen der stärkeren astralischen Persönlichkeit. Sie sehen, wie notwendigerweise die Moral wachsen muß auf einem Boden, auf dem der Okkultismus gepflegt werden soll; denn man kann natürlich nicht den Okkultismus pflegen, ohne daß man in Wirklichkeit anstrebt, die Astralleiber zu emanzipieren von den übrigen Gliedern der Menschennatur. Das Verderblichste ist aber, wenn auf dem Felde des Okkultismus die stärkeren Persönlichkeiten noch irgendwie nach Macht für ihre persönlichen Interessen und persönlichen Intentionen streben. Berechtigt, auf okkultem Felde zu wirken, sind eigentlich nur diejenigen Persönlichkeiten, die vollständig darauf verzichten, irgendwelchen persönlichen Einfluß zu haben, und das größte Ideal desjenigen Okkultisten, der etwas Berechtigtes erreichen soll, ist, durch seine Persönlichkeit gar nichts erreichen zu wollen; das, wofür er persönliche Sympathien oder Antipathien hat, möglichst von alledem auszuschalten, was er wirken will. Wer daher Sympathien oder Antipathien für dieses oder jenes hat und okkult wirken will, der muß diese Sympathien und Antipathien sorgfältig sozusagen für sein allerprivatestes Feld nur zusammentragen und auf seinem allerprivatesten Feld gelten lassen; er darf jedenfalls auf dem Boden, auf dem eine okkulte Bewegung blühen soll, nichts von diesen persönlichen Antipathien und Sympathien selber hegen und pflegen. Und so paradox es eigentlich klingt, so kann man doch sagen: Das Gleichgültigste für den okkulten Lehrer ist eigentlich für ihn seine Lehre, das Allergleichgültigste die Lehre, die er ja schließlich wirklich nur nach seinen Talenten und Temperamenten geben kann. Sie wird nur eine Bedeutung haben, wenn ihm an der Lehre als solcher nicht eigentlich irgendwie persönlich etwas liegt, sondern lediglich so viel Hegt, als diese Lehre Seelen helfen kann. Daher wird auch kein okkulter Lehrer jemals einem Zeitalter etwas von seinen Kenntnissen aufdrängen, wenn er weiß, daß dieser Teil der Kenntnisse für dieses Zeitalter nichts taugt, daß er nur für ein anderes Zeitalter tauglich sein könnte. Dies alles kommt in Betracht, wenn von der eigenartigen Natur des Astralleibes unter dem Einfluß okkulter Entwicklung gesprochen wird. In unserem Zeitalter, schon als es sich vorbereitete und wie es sich weiterentwickelt hat, gibt es noch eine Komplikation. Was ist denn das Wesentliche unseres Zeitalters? Unser Zeitalter ist das der Entwicklung der Bewußtseinsseele. Nichts ist so sehr verknüpft mit dem Egoismus, der an die engsten, persönlichsten Interessen herandringt, als die Bewußtseinsseele. Daher gibt es in keinem Zeit alter eine solche Versuchung, die persönlichsten Interessen mit den
allgemeinen Menschheitsinteressen zu verwechseln, wie in unserem Zeitalter. Dieses Zeitalter mußte ja allmählich die Menschheitsinteressen gleichsam zusammenziehen in das menschliche Ich herein, nämlich in den Teil des menschlichen Ich, der die Bewußtseinsseele ist. Wir sehen, wie sich gegen unser Zeitalter hin die menschlichen Interessen nach dem Punkt des Ich, nach dem Punkt der Egoität zusammendrängen.

 

 
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