Wahrhaftigkeit

Das Hereinwirken geistiger Wesenheiten in den Menschen – GA 102

Seite 205

Und ich habe Ihnen gesagt, daß in der Tat in der astralischen Welt eine Art von Explosion vorgeht, wenn der Mensch eine Lüge sagt – in gewisser Weise schon, wenn er sie nur denkt -, daß da in der geistigen Welt etwas vorgeht, wenn der Mensch lügt, was für die geistige Welt eine weitaus verheerendere Wirkung hat als irgendein Malheur in der physischen Welt.

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Adlernebel – Eagle Nebula
By NASA [Public domain], via Wikimedia Commons

GA 155 Christus und die menschliche Seele – GA 155

DRITTER VORTRAG 30. Mai 1912 – Seite 118/119

Überall, wo es modernes Leben gibt, ist die Unwahr­haftigkeit eine Eigenschaft unserer gegenwartigen Kulturepoche ge­worden, und es ist unmöglich, daß Sie die Wahrhaftigkeit als eine Eigenschaft unserer Epoche nennen können.Nehmen Sie einen Menschen, von dem Sie wissen, daß er selber etwas Falsches geschrieben oder gesagt hat, und halten Sie ihm das vor. Sie werden finden, daß er heute in der Regel gar keine Empfin­dung dafür hat, daß das Unrecht ist. Er wird sofort die Ausrede gebrauchen: Ja, ich habe es im guten Glauben gesagt. Die Theosophen dürfen es nicht als moralisch ansehen, wenn jemand sagt, daß er etwas Unrichtiges im guten Glauben gesagt hat. Die Menschen werden immer mehr verstehen lernen, daß man dazu kommen muß, zu wissen, daß das auch wirklich geschehen ist, was man behauptet. Man darf also nur dann etwas sagen oder mitteilen, nachdem man die Ver­pflichtung gefühlt und ausgeführt hat, zu prüfen, ob es auch so ist, zu vergleichen mit den Mitteln, die zu benutzen möglich sind. Erst wenn man dieser Verpflichtung inne wird, kann man die Wahrhaftig­keit als moralischen Impuls empfinden. Dann wird aber niemand mehr sagen, wenn er etwas Unrichtiges in die Welt gesetzt hat: Ich habe es so gemeint, ich habe es im guten Glauben gesagt. Denn er wird lernen, daß man nicht bloß verpflichtet ist, zu sagen, was man als richtig zu erkennen glaubt, sondern daß man verpflichtet ist, nur das zu sagen, was wahr ist, was richtig ist. Das wird nicht anders gehen, als daß in gewisser Beziehung eine radikale Änderung nach und nach in unserem Kulturleben eintreten muß. Die Schnelligkeit des Verkehrs, die Sensationslust der Menschen, überhaupt alles, was ein materialistisches Zeitalter im Gefolge hat, sind Gegner der Wahr­haftigkeit. Auf moralischem Gebiete wird die Theosophie eine Er­zieherin der Menschheit zur Pflicht der Wahrhaftigkeit sein. Es ist heute nicht meine Aufgabe, davon zu sprechen, inwiefern die Wahrhaftigkeit heute schon in der Theosophischen Gesellschaft verwirklicht ist, aber es ist zu sagen, daß dasjenige, was heute ausgesprochen worden ist, im Prinzip ein hohes theosophisches Ideal sein muß. Genug wird die moralische Evolution innerhalb der theosophi­schen Bewegung zu tun haben, wenn nach allen Richtungen durch­dacht, durchfühlt und empfunden werden wird das moralische Ideal der Wahrhaftigkeit. Dieses moralische Ideal der Wahrhaftigkeit wird heute dasjenige sein, was die Tugend in der Empfindungsseele des Menschen in der richtigen Weise bewirkt.

 
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