Christentum & Karma

Rudolf Steiner war sehr vom alten Karmagedanken geprägt. In wie weit sich dieser alte Karmabegriff mit «Gnade und Erlösung» in Einklang bringen lässt, ist mir fraglich bis zweifelhaft.

Erfahrungen des Übersinnlichen – Die drei Wege der Seele zu Christus
GA 143 – Der Weg der Initiation – Seite 147/148

In unserem fünften nachatlantischen Zeiträume erleben die Menschen den dritten Akt, der sich konsequent anschließt an den Osiris-Akt und an den Akt des Mysteriums von Golgatha. Sie werden lernen zu begreifen die Vorstellung: Ich bin auf die Erde durch die Geburt hineingestellt; mein Schicksal ist auf der Erde, ich erlebe Freude und Leid, ich muß verstehen, daß das, was ich erlebe als Freude und Leid, nicht umsonst an mich herantritt, daß es mein Karma ist und daß es zu mir kommt, weil es mein Karma ist, mein großer Erzieher. Ich blicke auf das, was vor meiner Geburt war, was mich in diese Inkarnation hineingestellt hat, weil dieses mein Schicksal für meine Weiterentwickelung notwendig ist. Wer hat mich hergeschickt? Wer wird mich so lange hineinstellen in mein Schicksal auf dieser Erde, bis ich mein Karma abgetragen habe? Ich werde dies danken dem Christus, daß die Menschen immer wieder berufen werden können zum Erleiden der Schicksale, bis sie ihr Karma auf Erden ausgetragen haben. – Deshalb konnte Jesus von Nazareth, aus dem der Christus sprach, nicht zu den Menschen sagen: Versucht, so schnell wie möglich aus dem physischen Leibe herauszukommen -, sondern er mußte zu den Menschen sagen: Ich werde euch so lange in euer Schicksal auf diese Erde hineinstellen, bis ihr euer Karma abgetragen habt. Ihr müßt euer Karma austragen. – Die Menschen werden, je mehr wir uns der Zukunft nähern, lernen, daß sie mit dem Christus vereinigt waren vor der Geburt, daß sie von ihm die Gnade erlebt haben, ihr altes Karma in den Inkarnationen abzutragen. So schauten die Menschen des vierten nachatlantischen Zeitraumes zu dem Jesus von Nazareth auf als zu dem Träger des Christus. So werden die Menschen unserer Zeit lernen, daß der Christus immer übersinnlicher sich offenbaren wird und immer mehr regieren wird die Karmafäden in den Angelegenheiten der Erde. Sie werden kennenlernen jene geistige Macht als jenes Schicksal, das die Griechen noch nicht erkennen konnten: das die Menschen dazu bringen wird, auf die angemessenste Weise in den nächstfolgenden Inkarnationen ihr Karma auszutragen. Als zu einem Richter, als zu einem Herrn des Karma werden die Menschen in der Aufeinanderfolge der Inkarnationen aufschauen zu dem Christus, wenn sie ihr Schicksal erleben. So werden die Menschen zu ihrem Schicksal stehen, daß sie dadurch angeregt werden, ihre Seelen immer mehr zu vertiefen, bis sie sich sagen können: Mir wird dies Schicksal nicht zuerteilt durch eine unpersönliche Macht, mir wird dies Schicksal zugeteilt durch dasjenige, mit dem ich mich verwandt fühle in meinem innersten Wesen. Im Karma selbst nehme ich wahr, was mit meinem Wesen verwandt ist. Mein Karma habe ich gern, weil es mich besser und besser macht. – So lernt man Karma lieben, und dann ist dies der Impuls, den Christus zu erkennen. Ihr Karma lieben, lernten die Menschen erst durch das Mysterium von Golgatha. Und immer weiter und weiter wird dies gehen und immer mehr werden die Menschen lernen, daß unter Luzifers Einfluß allein die Erde niemals an ihr Ziel hätte kommen können, daß die Menschheitsentwickelung immer mehr hätte verderben müssen ohne den Christus.

 

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