Rudolf Steiners Verhältnis zu Philosophie und Theosophie

Das sind Erwägungen, denen der Okkultist immer wieder nachhängen muss, wenn er daran denken soll, die hohe Weisheit der heiligen Meister in das Publikum zu streuen. Das ist seine große Verantwortlichkeit. Das ist es, was uns die Brüder immer entgegenhalten, die im Okkultismus konservativ bleiben und die Methode des Geheimhaltens auch ferner pflegen wollen. – Und kein Tag vergeht, an dem die Meister nicht die Mahnung deutlich ertönen lassen: «Seid vorsichtig, bedenkt die Unreife eures Zeitalters. Ihr habt Kinder vor euch, und es ist euer Schicksal, dass ihr Kindern die hohen Geheimlehren mitteilen müsst. Seid gewärtig, dass ihr durch eure Worte Bösewichter erzieht.» Ich kann Dir nur sagen, wenn der Meister mich nicht zu überzeugen gewusst hätte, dass trotz alledem die Theosophie unserem Zeitalter notwendig ist: ich hätte auch nach 1901 nur philosophische Bücher geschrieben und literarisch und philosophisch gesprochen. Meine Liebe, bleibe mir stark: so lange wir die Verbindung mit der großen Loge haben werden, kann uns in Wirklichkeit nichts geschehen, was auch scheinbar geschehen mag. Aber nur durch diese unsere Stärke bleibt uns die Hilfe der erhabenen Meister. Du weißt: ich spreche dies so nüchtern, so verstandesklar wie das alltäglichste im Leben.

Brief an Marie von Sivers (Januar 1905)

Marie Steiner-von Sivers, Briefwechsel und Dokumente 1901 – 1925 [GA 262]
Seiten 85-86

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