Golgatha und der Gral

Mit dem Ereignis auf Golgatha, als das Blut floß aus den Wunden
des großen Erlösers, als das kosmische Herzensblut die Erde durchdrang
und seine Kräfte sich bis in den Mittelpunkt ergossen, da wurde
die Erde leuchtend, von innen heraus strahlte Licht aus in ihre Umgebung.
Da wurde auch die Möglichkeit gegeben für jede menschliche
Individualität, in sich selber dieses Licht zu erleben. Als die
Erde der Leib des großen Sonnengeistes wurde, indem er sie mit seinen
Geisteskräften durchdrang, da wurden alle Wesen auf Erden
ebenso mit diesen Kräften begabt. Es war der Keim gelegt zur Wiedervereinigung
von Sonne und Erde. Der physische Leib des Jesus
von Nazareth war der Vermittler, durch welchen die Kräfte aus dem
Kosmos sich mit der Erdenaura verbanden. Und als das Blut aus diesem
Leibe floß auf Golgatha, da wurde die Erde wieder in die Sonnenkraft
aufgenommen. Seitdem strahlt diese Christus-Kraft von
ihrem Mittelpunkte in die Umgebung hinaus, und aus der Sonne
strahlt die Christus-Kraft in die Erde hinein. Der Mensch kann diese
Kraft, dieses Licht erleben in sich selber als Erdenmensch, wenn er
sich erkennt als einen Teil der Erde, die als physischer Leib des

Christus durchdrungen ist von seiner Wesenheit. Dann leuchtet in
ihm das weiße Licht aus seinem Innern entgegen, wie es aus dem
Mittelpunkt der Erde herausstrahlt.
Es kann der Mensch die Christus-Kraft und das Christus-Licht
auch so erleben, wie es von außen herantretend ihn bestrahlt und
durchdringt mit höherem Leben. Dann umgibt und durchdringt es
ihn, wie es, aus der Sonne hineinstrahlend, die Erde durchlebt. Dann
fühlt sich der Mensch im Geiste vereint mit dieser Sonnenkraft, er
empfindet sich wie von seinem Herzen heraus zusammenwachsend
mit dem großen kosmischen Herzen. Als ein höheres Wesen, lebend
in dieser geistigen Sonne, erkennt er sein wahres Selbst, so verbunden
mit ihr, wie er als Erdenmensch mit der Erde selber verbunden
ist. Und wie die Sonnenkräfte die Erde durchleuchten und beleben,
so durchleuchtet und durchlebt dieses höhere Wesen den Erdenmenschen
mit seinen Kräften.
In dem Tempel des menschlichen Leibes befindet sich ein Heiligstes
vom Heiligen. Viele Menschen leben in dem Tempel, ohne etwas
davon zu wissen. Aber die, welche es ahnen, erhalten dadurch
die Kraft, sich so zu läutern, daß sie in dieses Heiligste hineingehen
dürfen. Da befindet sich das heilige Gefäß, welches durch Zeitepochen
hindurch vorbereitet wurde, auf daß, wenn die Zeit käme, es
fähig sein könne, das Christus-Blut, das Christus-Leben in sich zu
enthalten. Wenn der Mensch hineingegangen ist, so hat er auch den
Weg gefunden zu dem Allerheiligsten in dem großen Erdentempel.
Auch da leben viele auf der Erde, ohne davon zu wissen; aber wenn
der Mensch in seinem innersten Heiligtum sich gefunden hat, so
wird er auch da hineintreten dürfen und finden den Heiligen Gral.
Wie aus wunderbar glitzernden Kristallen geschliffen, welche Symbole
und Buchstaben formen, wird sich ihm das Gefäß zunächst zeigen,
bis er allmählich den heiligen Inhalt empfindet, so daß er für
ihn leuchtet im goldenen Glänze. In die Mysterienstätte seines eigenen
Herzens steigt ein Mensch hinein, dann geht ein göttliches
Wesen aus dieser Stätte hervor und verbindet sich mit dem Gott
draußen, mit dem Christus-Wesen. Es lebt in dem geistigen Lichte,
welches hineinstrahlt in das Gefäß und dieses dadurch heiligt.

GA 265 – Seiten 417/418

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