Esoterische Betrachtungen karmischer Zusammenhänge

Und so muß man überhaupt vorgehen, wenn man Geistiges erkennen will. Man muß sich von vorneherein sagen: In dem ersten Momente, wo man an dieses Geistige irgendwie gedanklich herantritt, da ist ja erst der Anfang gemacht. Und will man da sogleich irgendein Resul- tat, ein Ergebnis haben, so ist das ganz unmöglich – man muß warten können. Nicht wahr, wenn ich heute ein Erlebnis habe, das karmisch verursacht ist in einem vorhergehenden Erdenleben, so können wir das schematisch so zeichnen: Das bin ich, das ist mein Erlebnis, das Erlebnis von heute (siehe Zeichnung, weiß, rot). Das dort ist verursacht von der ganz andersartigen Persönlichkeit mit demselben Ich in einem vorigen Erdenleben (grün, gelb). Da steht es. Da hat es längst aufgehört, meiner Persönlichkeit anzugehören, aber es ist eingetragen in die Ätherwelt, respektive in die astralische Welt, die hinter der Ätherwelt steht. Nun muß ich erst zurückgehen, den Weg zurückmachen. Ich habe Ihnen gesagt: Zunächst erscheint mir die Sache so, als ob irgend jemand mir eigentlich das Erlebnis zutrüge. So ist es namentlich am zweiten Tag. Aber nach dem dritten Tag wird es so, daß diejenigen, die mir es zugetragen haben, diese geistigen Wesen, sich zurückziehen, und dann werde ich es gewahr als mein Eigenes, das ich in einem vorigen Erdenleben als Ursache gelegt habe. Und deshalb, weil ja das nicht mehr in der Gegenwart darinnensteht, weil das etwas ist, was ich anschauen muß im vorigen Erdenleben, deshalb erscheine ich mir selber, indem ich darinnenstehe, wie gefesselt- Das Fesseln hört ja erst wiederum auf, wenn ich nun die Sache angeschaut, ein Bild habe von dem, was im vorigen Erdenleben war, und dann wieder zurückschaue auf das Ereignis, das ich ja die drei Tage hindurch nicht aus den Augen verloren habe, dann wieder zurückschaue, da werde ich wieder frei, indem ich zurückkomme, denn jetzt kann ich mich mit der Wirkung bewegen. Wenn ich bloß in der Ursache drinnenstehe, kann ich mich mit der Ursache nicht bewegen. Ich trete also zurück in ein voriges Erdenleben, werde von der Ursache wie gefesselt, und erst, wenn ich nun in dieses Erdenleben hineingehe, dann wird die Sache wieder aufgelöst. Nehmen wir ein Beispiel. Nehmen wir an, jemand erlebt in einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Tage, daß ihm ein Freund etwas nicht ganz Angenehmes sagt; vielleicht hatte er es nicht erwartet. Er sagt ihm also etwas nicht ganz Angenehmes. Nun, er versetzt sich in das, was er da durchmacht im Anhören dessen, was der Freund sagt, er macht sich ein lebendiges Bild von dem, was er da durchgemacht hat: wie er einen leisen Schock bekommen hat, wie er sich etwas geärgert hat, vielleicht auch gekränkt gefühlt hat und so weiter. Da ist ein innerliches Wirken, und ein innerliches Wirken muß da ins Bild gebracht werden. Jetzt läßt man die drei Tage verlaufen. Am zweiten Tage geht man herum und sagt: Dies Bild, das ich mir da gestern gemacht habe, hat merkwürdig auf mich gewirkt. Ich habe heute den ganzen Tag so etwas in mir wie ein Säuerliches, wie etwas, was mich verstimmt innerlich – so etwas, wie es von diesem Bilde ausgeht, war noch nicht da. Am Ende des ganzen Prozesses, nach dem dritten Tag morgens, da stehe ich auf, und dieses, wovon ich genau spüre, es kommt von diesem Bilde, das fesselt mich. Jetzt bleibe ich in dieser Fesselung drinnen. Dann wird mir dieses Ereignis aus dem vorigen Erdenleben kund: ich sehe es vor mir. Ich gehe über zu dem Erlebnis, das noch ganz frisch ist, noch ganz da ist. Da hört die Fesselung wieder auf und ich sage mir: Aha, so war das im vorigen Erdenleben! Das hat das verursacht: jetzt lebt die Wirkung. Mit der kann ich wieder leben, jetzt ist die Sache wieder da.

GA 236, Seite 128f

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