Eins muß sich der Schüler immer wieder sagen: Ich werde nicht Teilnehmer der geistigen Welt sein können, ehe ich nicht gelernt habe, mir zu sagen: ich bin voller Egoismus – und ich kann gar nicht anders hier auf der physischen Welt sein. Das aber, was von mir hier auf der physischen Welt lebt, das ist nur ein Bild, eine Form, die Abbild ist meines Urbildes. Diese Form, dies Bild, ist von Egoismus ganz und gar durchtränkt. Und es ist das Weltenkarma, das uns in unserm Entwicklungsgange durch die Inkarnationen hindurch ganz mit Egoismus durchtränkt. Das Weltenkarma aber ist Gott. Der Gott lebt auch in uns. Und kommen wir soweit, daß wir gut und edel handeln, so ist es der Gott in uns, der uns dazu treibt. Und der Gott in uns der uns gut und edel handeln läßt, lebt in unserm Urbild. Ich selber bin voll Egoismus – aber ich bin dazu vorbestimmt, Abbild zu werden meines göttlichen Urbildes. Dies Urbild ruhte im Schoß der Gottheit – es ist herabgestiegen bis zu dieser physischen Form und diese Form steht unter der Gewalt des Gottes, der über meinem Schicksal, meinem Karma steht, das ist mit Egoismus ganz und gar durchtränkt. Nie, nie darf ich sagen, ich sei ohne Egoismus, das ist niemals wahr – ich kann sogar nicht ohne Egoismus sein auf der physischen Welt. Aber wenn ich hinschauen lerne auf mein aus Gott geborenes Urbild, wenn ich mein Denken, Fühlen und Wollen, all meine Seelenkräfte ganz und gar hineinsterben lasse in dies Urbild, dann darf ich hoffen, den Egoismus in mir zu besiegen und mich meinem Urbild wiederum zu nähern. Wir werden bemerken, daß in demselben Maße, in dem wir selbstloser werden, wir auch physisch kraftvoller werden. Wir werden bemerken, daß wir keine Furcht, keinen Schrecken mehr empfinden, wir werden nicht mehr zusammenzucken in plötzlichem Schreck. Wir werden in unserem ganzen Menschenwesen kraftvoll und stark werden. Erst durch Luzifer und Ahriman entsteht unser Egoismus. Aber es ist nötig, daß dieser in uns lebt und sich voll zum Ausdruck bringt; denn nur so kann sich alles Leben physisch völlig ausgestalten. Aber wir müssen uns bewußt werden, daß jedes Tun bei uns eine selbstische Färbung hat. Unser Mitleiden (sogar) treibt uns zur Hilfeleistung, weil wir eben nicht mitleiden mögen.

GA 266/2 – Seite 109ff

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