Der Träger des übersinnlichen Wissens möchte am liebsten so wenig als nur irgend möglich für die Gewinnung von Anhängern tun. Die Gefühle des Fanatikers, des Sektenstifters sind ihm ganz und gar fremd. Und je mehr er sich auch in der Gegenwart an diese seine Grundgesinnung halten kann, desto mehr wird er es tun. Doch verbieten ihm eben die Verhältnisse der Gegenwart, sich ganz an dieses Prinzip zu halten. Er muß an die Offentlichkeit treten. Aber er hält seine Gesinnung doch insoweit aufrecht, daß er in keinem anderen Sinne an die Offentlichkeit tritt, als in dem, daß er sagt: «Dies oder jenes habe ich mitzuteilen aus dem Bereich der übersinnlichen Welten; ich sage es, weil es vor der Welt gesagt werden muß. Wer diesen Dingen nähertreten will, der muß es ganz allein deshalb tun, weil er es selber will. Ich werbe nicht um Anhänger; aber ich komme jedem nach Möglichkeit entgegen, der etwas von den Erkenntnissen höherer Welten begehrt.» Man kann sagen: der Fanatiker wirbt um Anhänger; der Träger übersinnlicher Erkenntnisse wartet ganz ruhig, bis sie von selbst kommen. Das erscheint in der Theorie zunächst ganz einfach; in der Praxis ist es gar nicht leicht. Er dränge keusch jene Begeisterung zurück, die sich dem gegenwärtigen Menschen auf so natürliche Art ergibt: das der Welt mitzuteilen, was er selbst als seine heilige Überzeugung im Herzen trägt. Zur Mitteilung darf den Träger des Geheimwissens eben gar nichts anderes reizen, als daß der einzelne Mensch, oder die Menschen, die in Frage kommen, die entsprechenden Mitteilungen zum Heile ihrer Seele und ihres ganzen Menschen brauchen.

GA 34 – Seite 285f

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