Die Menschen der sechsten Unterrasse (der Akkadier) bildeten die Denkkraft noch weiter aus als die fünfte. Sieunterschieden sich von den sogenannten Ursemiten da- durch, daß sie die angeführte Fähigkeit in einem um-fassenderen Sinne zur Anwendung brachten als jene. — Es ist gesagt worden, daß die Ausbildung der Denkkraftzwar die Ansprüche der eigensüchtigen Persönlichkeit nicht zu den verheerenden Wirkungen kommen ließ, die bei den früheren Rassen möglich waren, daß aber diese An- sprüche durch sie nicht vernichtet wurden. Die Ursemiten regelten zunächst ihre persönlichen Verhältnisse so, wie es ihnen ihre Denkkraft eingab. An die Stelle der bloßen Begierden und Gelüste trat die Klugheit. Andere Lebens-verhältnisse traten auf. Waren vorhergehende Rassen ge-neigt, den als Führer anzuerkennen, dessen Taten tief indas Gedächtnis sich eingeprägt hatten oder der auf einLeben reicher Erinnerung zurückblicken konnte, so wurde jetzt solche Rolle dem Klugen zuerkannt. Und war vor-dem das maßgebend, was in guter Erinnerung lebte, so
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betrachtete man jetzt das als das Beste, was dem Gedan- ken am besten einleuchtete. Unter dem Einflüsse des Ge- dächtnisses hielt man ehedem so lange an einer Sache fest, bis man sie als unzureichend erfand, und dann er-gab sich im letzteren Falle von selbst, daß derjenige miteiner Neuerung durchdrang, welcher einem Mangel ab-zuhelfen in der Lage war. Unter der Wirkung der Denk- kraft aber entwickelte sich eine Neuerungssucht undVeränderungslust. Jeder wollte durchsetzen, was seineKlugheit ihm eingab. Unruhige Zustände beginnen daher unter der fünften Unterrasse, und sie führen in der sech-sten dazu, daß man das Bedürfnis empfand, das eigen-sinnige Denken des Einzelnen unter allgemeine Gesetzezu bringen. Der Glanz in den Staaten der dritten Unter-rasse beruhte darauf, dass gemeinsame Erinnerungen Ord-nung und Harmonie bewirkten. In der sechsten mußte durch ausgedachte Gesetze diese Ordnung bewirkt wer- den. So hat man in dieser sechsten Unterrasse den Ur- sprung von Rechts- und Gesetzesordnungen zu suchen. — Und während der dritten Unterrasse geschah die Ab-sonderung einer Menschengruppe nur, wenn sie gewisser- maßen dadurch aus ihrem Gemeinwesen hinausgedrängt wurde, weil sie sich innerhalb der durch Erinnerung vor- handenen Zustände nicht mehr wohl fühlte. In der sech- sten war das wesentlich anders. Die berechnende Denk-kraft suchte das Neue als solches, sie spornte zu Unter-nehmungen und Neugründungen. Daher waren die Ak- kadier ein unternehmungslustiges Volk, zur Kolonisation geneigt. Insbesondere mußte der Handel der jung auf- keimenden Denk- und Urteilskraft Nahrung geben. Bei der siebenten Unterrasse (den Mongolen) bildete
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