Wir wissen, daß der Mensch durch die Eigenschaften, die er hat, sich mit einem astralen Leibe umkleidet. Er hat durch das, was in diesem astralen Leibe ist, eine Anziehungskraft zu bestimmten Wesen auf der Erde. Durch den Ätherleib wird er hingezogen zu dem Volk und zu der Familie im weiteren Sinne, in welche er neu hineingeboren wird. Durch die Art und Weise, wie er ausgebildet hat seinen Astralleib, wird er hingezogen zum mütterlichen Teil seiner Eltern Die Essenz, die Substanz, die Gliederung des Astralleibes zieht ihn zur Mutter. Das Ich zieht den neuen Menschen hin zum väterlichen Teil der Eltern. Das Ich war ja da in uralten Zeiten, als die Seele zum ersten Male herunterstieg aus dem Schoße der Gottheit in einen irdischen Leib. Dieses Ich hat sich durch viele Inkarnationen hindurch entwickelt. Das Ich des einen Menschen unterscheidet sich vom Ich des andern, und wie es jetzt ist, bildet es die besondere Anziehungskraft zum Vater. Der Ätherleib zieht hin zum Volke, zur Familie, der Astralleib zieht besonders hin zur Mutter, das Ich zum Vater. Darnach richtet sich das ganze Gebilde, das zur neuen Verkörperung hinunter will.
Es kann vorkommen, daß der Astralleib zu einem mütterlichen Teil hingezogen wird, das Ich aber nicht zu dem entsprechenden Vater will. In diesem Falle setzt es seine Wanderung fort, bis es ein passendes Elternpaar findet.
Im gegenwärtigen Entwickelungszyklus stellt das Ich das Element des Wollens, der Empfindungsimpulse dar; im astralen Leibe sind die Eigenschaften der Phantasie, die Eigenschaften des Denkens. Letztere wird daher die Mutter, wie man sagt, vererben und erstere der Vater. Und wir sehen so, daß die Individualität, die sich verkörpern will, durch ihre unbewußten Kräfte das Elternpaar aussucht, das ihr den physischen Leib geben soll.
Das hier Beschriebene spielt sich so ab, daß es im wesentlichen etwa bis zur dritten Woche nach der Empfängnis fertig ist. Zwar ist dieser Mensch, der aus Ich, Astralleib und Ätherleib besteht, durchaus vom Moment der Empfängnis an in der Nähe der Mutter, die den befruchteten Menschenkeim in sich hat, aber er wirkt von außen ein. In dieser Zeit, etwa in der dritten Woche, fängt dieser Astral- und Ätherleib gleichsam den Menschenkeim ab und beginnt nun mitzuarbeiten an dem Menschen. Bis dahin geht die Entwickelung des physischen Menschenleibes vor sich ohne den Einfluß von Astral- und Ätherleib; von da ab wirken sie an derEntwickelung des Kindes mit und gliedern selbst die weitere Ausgestaltung des Menschenkeimes. Wir sehen also, daß in bezug auf den physischen Leib in noch höherem Maße das gilt, was vom Ätherleibe gesagt wurde, daß hier noch weniger leicht ein Zusammenstimmen stattfinden kann. Diese wichtige Tatsache verbreitet Licht über vieles, was in der Welt vorgeht.
Wir haben bis jetzt den gewöhnlichen Menschen der Gegenwart in seiner normalen Entwickelung geschildert. Nicht ganz gilt das für einen Menschen, der in einer vorigen Inkarnation eine okkulte Entwickelung angefangen hat. Je höher er gekommen ist, desto früher liegt der Zeitpunkt, wo er selbst beginnt, seinen physischen Leib zu bearbeiten, um ihn dadurch geeigneter zu machen für die Mission, die er hier auf der Erde zu erfüllen hat. Je später er dazu kommt, den physischen Keim abzufangen, desto weniger wird er Herr werden über den physischen Leib. Bei höchstentwickelten menschlichen Individualitäten, die die Leiter und Führer des geistigen Teiles unserer Welt sind, findet solches Abfangen bereits bei der Empfängnis statt. Für sie geht nichts vor ohne ihr Zutun. Sie leiten ihren physischen Leib bis zum Tode und beginnen den neuen zu bearbeiten, sobald der erste Anstoß dazu gegeben ist.
Die Stoffe, die den physischen Leib zusammensetzen, ändern sich immerfort. Nach ungefähr sieben Jahren hat sich jedes Teilchen erneuert. Der Stoff wird ausgetauscht, die Form bleibt. Zwischen Geburt und Tod müssen wir den Stoff immer neu gebären, er ist das Wechselnde. Dasjenige, was man zwischen Geburt und Tod höherentwickelt über den Tod hinaus, das bleibt erhalten und bildet einen neuen Organismus.
Was der Mensch zwischen Geburt und Tod unbewußt macht, tut der Eingeweihte bewußt vom Tode bis zur neuen Geburt: er bildet bewußt seinen neuen physischen Körper aus. Die Geburt ist daher für ihn nur ein radikales Ereignis. Er tauscht nur einmal, aber gründlich die Stoffe aus. Daher die große Ähnlichkeit der Gestalt solcher Individualitäten von einer Inkarnation zur andern, während bei wenig Entwickelten durchaus keine Ähnlichkeit zwischen den Gestalten ihrer verschiedenen Inkarnationen besteht. Je höher der Mensch sich entwickelt, desto ähnlicher sind die zwei aufeinanderfolgenden Inkarnationen. Das kann man durchaus beobachten mit hellseherischem Blick. Es gibt einen ganz bestimmten Ausdruck für dieses Verhältnis, in das der Mensch auf höherer Stufe der Entwickelung kommt. Man sagt, er wird überhaupt nicht in einen anderen Körper geboren, so wenig wie man vom gewöhnlichen Menschen sagt, daß er alle sieben Jahre einen neuen Körper erhält. Man sagt vom Meister: er ist geboren in denselben Körper. — Er braucht ihn Jahrhunderte, ja selbst Jahrtausende. Das ist bei weitaus den meisten führenden Individualitäten der Fall. Eine Ausnahme machen gewisse Meister, die ihre ganz besondere Mission haben. Bei denen bleibt der physische Leib erhalten, so daß der Tod für sie überhaupt nicht eintritt. Das sind die Meister, die für den Übergang von einer Rasse zu einer andern zu sorgen haben.

GA 99, Seite 54ff

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