Während uns das exoterische Wissen nicht bereichert, nichts hinterläßt über den Tod hinaus, verhält es sich anders mit allem esoterischen Wissen. Es fließt in uns ein, in unsern Astralleib, bildet da gewisse neue Glieder; neue Fäden weben sich hinein in den Astralleib und bleiben mit unserer Wesenheit verbunden. – Wir wissen, daß der Astralleib den Menschen in Eiform umgibt. Da in ihm ein Ich wirkt, so strahlt er aus: Dahinein weben sich neue Fäden, neue Erkenntnisse, so daß wir ihn nennen können «Erkenntnisleib». Dieser Erkenntnisleib wird immer dichter, immer stärker werden und endlich Geistselbst sein. Dadurch, daß wir ihn ausbilden, ist auch allein eine planetarische Fortentwicklung der Erde möglich. Dieser Erkenntnisleib wird auf dem Jupiter schon so dicht sein wie unser Astralleib, auf der Venus wie unser Ätherleib; auf dem Vulkan endlich so physisch geworden sein wie unser Blut etwa. Wie die Erde von einer Lufthülle umgeben ist, die der Mensch einatmet, so befindet sich in dieser Luft auch eine spirituelle Substanz, die in den Menschen einfließen will. Auf uns kommt es an, ob wir diese spirituelle Substanz wieder herauslassen als Todesluft, oder ob wir sie in Verbindung bringen mit unserem theosophischen Wissen und die Frucht einverweben unserem Astralleib. Aber nicht für uns allein ist das von Wichtigkeit, sondern für den ganzen Kosmos. Atmen wir diese spirituelle Substanz ein, ohne sie in uns fruchtbar zu machen, so nehmen wir dem Kosmos etwas, geben ihm aber nichts dafür zurück und hindern so die Evolution. Von uns hängt es ab, ob auf den Erden- der Jupiterzustand folgen kann, indem wir nämlich diese spirituellen Kräfte im Umkreise der Erde vermehren. Wenn wir hinblicken auf den (alten) Saturn, so wissen wir, daß unser physischer Leib da in seiner ersten Anlage entstand. Er ist entstanden aus den Gedanken der Götter, und diese Gedanken haben sich verdichtet zu dem, was wir heute sind. Es ist aber schon auf dem Saturn darauf gerechnet worden, daß der Mensch die Arbeit der Götter fortsetzen werde, und das tun wir, wenn wir die spirituelle Substanz unserer Umgebung in uns einfließen lassen, um aus ihr aufzubauen unseren Erkenntnisleib. Das ist der Zweck des Mysteriums auf Golgatha gewesen, dem Menschen diese Gelegenheit zu bieten. Was ist es denn, was wir mit dieser spirituellen Substanz in uns aufnehmen? Es ist der Christus selber. Vor dem Mysterium von Golgatha war es nicht so. Da konnten die Menschen wohl sagen: Ex Deo nascimur. Die damals Einzuweihenden wurden so vorbereitet, daß sie zurückgingen auf das, was von den alten Göttern überliefert war. Aber wir wissen, daß mit dem Mysterium von Golgatha sich die Aura unserer Erde verändert hat, weil der Christus der Geist der Erde geworden ist. Er hat sich substantiell in diese Erdenaura ausgegossen und ist seitdem in ihr enthalten. Und wieder ist jetzt der Zeitpunkt da, wo diese ausgegossene Christus-Substanz sich verdichtet hat, so daß sie von den Menschen aufgenommen werden kann. In Christo morimur heißt daher nichts anderes, als sich in diese spirituelle Substanz versenken und den Christus ganz mit ihr aufzunehmen, so daß man sagen kann: «Nicht ich, sondern der Christus in mir.»"

GA 266/2, Seite 174ff

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