Die geisteswissenschaftlichen Vorstellungen sind hervorgeholt aus solchen Gebieten der Seele, wo die mit der moralischen Liebe verwandte Seelenkraft gepflegt wird. Sie wirken daher wiederum zurück auf die Liebefähigkeit des Menschen und damit auf die unmittelbar individuellen Impulse des moralischen Lebens. […] Man kann leicht einwenden – und manche Erfahrung die man heute (1918) noch da machen kann, wo sogenannte Anhänger der geisteswissenschaftlichen Bewegung leben bestätigt das –, man kann heute leicht sagen, man bemerke ja an diesen Anhängern der Geisteswissenschaft nicht, daß diese Früchte, von denen eben gesprochen wurde, bei ihnen sich zeigen; im Gegenteil, man findet, daß vielfach auf dem Boden, auf dem sich solche Anhänger bewegen, erst recht Selbstsucht und Egoismus, manchmal ein raffinierter, geistig nuancierter Egoismus sich entfaltet, daß wenig Menschenliebe gerade in diesem Kreise oftmals zu finden ist. Das soll durchaus für heute noch zugegeben werden. Dasjenige, was sich entwickeln soll, das muß sich erst durch manche Hüllen und manche Hindernisse hindurch entwickeln. Aber im Wesen der Sache liegt es, daß die Dinge sich so entwickeln…

GA 72, Seite 387ff

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