Je mehr der Mensch auf seine eigenen eigensinnigen Meinungen pocht und
sich nur für diese interessiert, desto mehr entfernt er sich in diesem
Augenblicke der Weltentwickelung von dem Christus. Je mehr der Mensch
soziales Interesse entwickelt für des anderen Menschen Meinungen, auch
wenn er sie für Irrtümer hält, je mehr der Mensch seine eigenen Gedanken
beleuchtet durch die Meinungen der anderen, je mehr er hinstellt neben
seine eigenen Gedanken, die er vielleicht für Wahrheit
hält, jene, welche andere entwickeln, die er für Irrtümer hält, aber
sich dennoch dafür interessiert, desto mehr erfühlt er im Innersten
seiner Seele ein Christus-Wort, das heute im Sinne der neuen
Christus-Sprache gedeutet werden muß. Der Christus hat gesagt: „Was ihr
einem der geringsten meiner Brüder tut, das habt ihr mir getan.“ Der
Christus hört nicht auf, immer wieder und wieder sich den Menschen zu
offenbaren, bis ans Ende der Erdentage. Und so spricht er heute zu
denjenigen, die ihn hören wollen: Was einer der geringsten eurer Brüder
denkt, das habt ihr so anzusehen, daß ich in ihm denke, und daß ich mit
euch fühle, indem ihr des anderen Gedanken an euren Gedanken abmesset,
soziales Interesse habt für dasjenige, was in der anderen Seele vorgeht.
Was ihr findet als Meinung, als Lebensanschauung in einem der
geringsten eurer Brüder, darin suchet ihr mich selber. (S. 59f). […]

GA 193, Seite 59f

Powered by WordPress ⁞  Theme  ct Aspekte Anthroposophie